Sonntag, 21.5.17, 21 Uhr, Glockenhaus

Elektroakustische Musik 
Auswahl aus MEC -
Podcast elektronischer Musik aus Chile

Moderation: Martín Donoso Vera

Eine Auswahl von sieben Werken elektronischer Musik unterschiedlicher Stile,
welche in der ersten Staffel von MEC programmiert wurden. MEC ist ein
Podcast zur Verbreitung und Analyse chilenischer elektronischer Musik, eine
Produktion der Internationalen Gesellschaft für Chilenische Musik (SIMUC).
www.simuc.org

Gabriel Brncic

"Coréutica" (1999)

Das Stück, Luigi Pestaloza gewidmet, wurde mittels elektroakustischer Bearbeitung von Objekten und Verhalten an der Viola komponiert und im März 1999 im Teatro alla Scala in Mailand uraufgeführt. Der Instrumentalist platziert sich innerhalb eines imaginären Ikosaeder wie in den Laban-Bewegungsstudien. Die Elektronik projiziert seine Bewegungen am Instrument und die Umwandlung der Klangfarbe stellt die Musik dar. Eine klare Form von Nicht-Musik. Besser beschrieben: Klangkunst, die nicht auf Melodie, Rhythmus oder Harmonie basiert. In Coréutica besteht der Genuß in Klängen, ihren Begegnungen und Trennungen. In MEC0101 programmiert.


Rodrigo Castellanos

"Panóptico" (2015)

Die Gesellschaften werden ständig überwacht, um den Betrieb der merkantilistischen Mittel zu gewährleisten, anscheinend ohne dass wir es merken. Ironischerweise machen die technologischen Geräte und unsere permanente Verbindung zum Internet unsere Bewegungen sichtbar für den Wächter des Panoptikums. Das Stück wurde mit Granularsynthese, Aspekten der Spektralmusik und Tonverarbeitung realisiert. Es verweist auf den Taumel der großen Städte und stellt eine Analogie zu den emotionalen Dramen dar, die der Freiheitsverlust mit sich bringt. In MEC0110 programmiert.

Pablo Fredes          
                                                             

"Subatómico Croma" (2015)

Die Größe und die Form eines Klangkerns variieren unentwegt und somit variiert auch der Klangwert. Ein Kern kann generell und unbefriedigend als die kleinste Elementarform verstanden werden und es ist schwierig, Perzeptionsgrenzen für die kleinste Elementarform anzugeben. Der Kern kann musikalisch entwickelt werden, um eine Idee in der von der Musik geschaffenen Zeit auszudrücken. In diesem Stück wird eine Antwort auf folgende Frage gesucht: Welche ist die Grenze zwischen dem Kriterium des Elementarkerns und der Fläche. In MEC0110 programmiert.           

Gustavo Becerra-Schmidt          

"Quipus" (1978-80)

Das Quipu war ein von den alten Andenvölkern benutzter Gegenstand aus Wolle und Baumwolle verschiedener Farben. Das Wort stammt aus dem Quechua “khipu” und bedeutet Knoten, Binden, Fessel. Mit Gewissheit weiß man nur, dass die quipus zum Zählen und Ordnen benutzt wurden. Aus diesem Bild komponiert Becerra-Schmidt das Stück unter Einbeziehung der Idee der Knoten als Zeichen eines semiotischen Systems, in dem neue semantische und syntaktische Werte entstehen. In MEC0109 programmiert.


Sebastián Jatz


"Büchlein" (2010)

Das Stück ist Teil der Serie elektroakustischer Stücke “Arroyo Resbaladizo” (Glitschiger Bach) (arsomnis.com/slippery_brook), in der Fragmente von Werken Johann Sebastian Bachs mehrmals digital bearbeitet werden, um die “glitchs”, die daraus resultieren, an die Oberfläche zu bringen. Büchlein wurde in audiovisuellen Projekten und Tanzstücken verwendet. In MEC0105 programmiert.


Federico Schumacher   "Danza de la Protesta" (2011)

In einem Interview für Radio Beethoven sagte Schumacher, “Meine Realität ist dieselbe vieler Chilenen. Ich schaue die Nachrichten an. Ich gehe auf die Straße. Ich habe eine Geschichte. Die Realität in diesem Ort erscheint klarer in meiner Musik. Akusmatische Musik zu machen ist selbst ein politischer Akt. In meinen hochpolitischen Stücken, wie Danza de la Protesta, spreche ich durch fremde Stimmen”. Aus Schumachers Buch “La Música Electroacústica en Chile: 50 Años”: “Meine Generation ist mit dem Gefühl des verlorenen Paradies groß geworden, ein Paradies, das wir nicht kennenlernten, von dem wir nur wunderschöne Geschichten erzählt bekamen, von unseren Älteren, die dieses doch kennenlernen konnten. Dieses Paradies war das demokratische Chile”. Danza de la Protesta ist ein dringend komponiertes kleines Stück zur Unterstützung der Mobilisierung der Studierenden für staatliche, kostenfreie und qualitätsvolle Bildung. In MEC0103 programmiert.

Leni Alexander

"Par quoi? à quoi? pour quoi?" (1970)

Das Stück für Mezzosopran, gesprochene Kinderstimmen, neun Instrumente und elektronische Klänge wurde im Auftrag von Domaine Musical de Paris geschrieben und Alexander widmete es ihrer Tochter Beatrice. Ein Jahr nach der Komposition wurde das Stück in Zagreb vom Ensemble des Domaine Musical uraufgeführt und 1978 in Paris aufgenommen. Alexander hat viel im Bereich des Hörspiels komponiert und sie sah “Par quoi? à quoi? pour quoi?” als eine Art Hörspiel, in dem die traditionellen musikalischen Elemente der Sängerin und des Kammerorchesters, die elektronische Musik und die Kinderstimmen zusammen wirken. In MEC0108 programmiert.