Dienstag, 3.10.17, 21 Uhr, Glockenhaus, Glockenstraße, 21335 Lüneburg

Elektroakustische Musik:
Komponistenportrait Clemens von Reusner


TOPOS CONCRETE 2014, 09:18 - GEMA-Werknr.: 15133180-001

Das Gebiet (gr. topos, ist eine raue und unwirtliche Landschaft mit Bergen,Tälern, Canyons und Ebenen, Sand und Steinen, obwohl es von Ferne glatt und eben erscheint. Die Farbe ist Grau. Die Fläche beträgt etwa 30 Quadratmeter. Es ist der Boden einer Garage und er besteht aus Beton (engl. concrete,. Beton ist ein Baumaterial, eine Art trockenes Pulver aus Sand, granulierten Steinen und Zement als Bindemittel - staubig, chaotisch. Vermischt mit Wasser wird Beton flexibel und fluide und in einer Metamorphose des Wasserentzugs wird er wieder trocken,
fest und widerstandsfähig in jeder gewünschten Gestalt. Die Arbeit mit einer gleichsam nativen Granularität und Flüssigkeit ebenso wie Festigkeit und unterschiedliche gestalteten Räumen waren leitende Gedanken bei der Entwicklung der Komposition.
Um erstarrten Beton hörbar zu machen, wurden unterschiedliche Objekte aus Glas, Metall, Papier, Kunststoff, Stein und Holz auf dem Boden entlanggezogen – wie ein übergroßer Tonabnehmer eines Schallplattenspielers. Über Kontaktmikrophone wurden die resonanten Bewegungen der Objekte aufgezeichnet. Topos Concrete basiert auf den entstandenen Klängen mit ihren reichen akustischen Spektren und zahllosen individuellen Klanggesten und Texturen, die hier ihrerseits Baumaterial der Komposition mit den Mitteln der elektroakustischen Musik sind.
Die Dauer des Stückes und andere form- und strukturbezogene Parameter sind abgeleitet von dem Verhältnis der beiden Seiten des Raumes 1:133031. Spatialisierung: Ambisonic 3. Ordnung. Finalist beim Kompositionswettbewerb für elektronische Musik "Musica Nova", Prag, 2014.

 

BRNK 2009, 04:47 - GEMA-Werknr.: 10930624

Das Material, auf dem diese Arbeit aufbaut, ist eine 22 Sekunden lange, zufällige Aufnahme während des Experimentierens mit Csound generierten Klängen. Die Aufnahme wurde mit einem in ein Notebook eingebautes Mikrofon gemacht. Wesentliche Arbeitsprinzipien waren: Selektion verschiedener Loops aus dieser Aufnahme. Digitale Bearbeitung dieser Loops vor allem durch Filterung, Granular-synthese, Frequenz- und Tempovariationen und Aufbau größerer Strukturen unter Hinzufügen variierender Wiederholungen bereits vorgestellten Materials. Hinzufügen frequenzmodulierter Klänge, die den bestehenden Strukturen kontrastieren und Veränderungen des akustischen Raumes. Obgleich die übereinandergelegten Elemente der Komposition sich in Form und Struktur unterscheiden, so gründen sie doch auf einem gemeinsamen Ursprung. Eingeladen als deutscher Beitrag zu den Weltmusiktagen für Neue Musik, Zagreb, Kroatien, 2011.


SPHÄREN DER UNTÄTIGKEIT 2013, 09:30 - GEMA-Werknr.: 13614847

Sphären der Untätigkeit basiert auf einer vielfach subharmonisch gefilterten Klang-entwicklung, deren spektrale Beschaffenheit wiederum auf Proportionen des Goldenen Schnitts gründet und die ihre ursprüngliche Gestalt erst am Ende des Stückes wiedererlangt. Die einzelnen Klanggestalten verbinden sich in einer langsamen Wellenbewegung. In Kontrast dazu stehen in ihrem Zeitablauf und in ihrer klanglichen Beschaffenheit stark veränderte Impulse, die in unterschiedlichen akustischen Räumen erscheinen.


HO
2008, 13:06 - GEMA-Werknr.: 10553142

Das elektronische Stück HO wurde mit der Klangsynthesesprache Csound realisiert. Perkussive Klanginseln, räumliche Bewegung, moduliertes Rauschen. Nachklang in weitem Raum. Bewegte Fläche. Dekonstruktion der Klanginseln, Abwandlung, Verdichtung und Repetition. Vereinzelte Schritte belegen die vorübergehende Anwesenheit des Komponisten an einem in der Stille gelegenen Ort namens Ho an der dänischen Westküste.
HO wurde beim Kompositionswettbewerb MUSICA NOVA 2009 der Gesellschaft für elektroakustische Musik der Tschechischen Republik in Prag ausgezeichnet und im Dezember 2009 dort uraufgeführt.


DRY FRICTION
2012, 12:55 - GEMA-Werknr.: 12427438

"Dry Friction" (trockene Reibung, kann verstanden werden als Klanggesten metallener Oberflächen, die miteinander in Kontakt stehen. Transformationen sowohl in der "time-domain" (Zeitdehnung und - schrumpfung, Texturbildungen, Granularsynthese und Filterungen, etc., als auch in der "frequency-domain" (spektrale Veränderungen, Verschmierungen, Focussierungen auf bestimmte Harmonische, etc., führen zu einer Klangbearbeitung im Sinne fortschreitender Veränderung. Die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den einzelnen Klängen lassen sich in einer Mindmap als Baumstruktur visualisieren. Die Vorstellung von "Metall" wird auch hörbar durch metallische Resonanzen und Räume, obschon manchmal auch ein Eindruck von Flüssigkeit entsteht.
Die Wiederkehr komplexen Materials und dessen akustische Ableitungen können im weiteren Sinne als "motivisch-thematische Arbeit" verstanden werden, die durch verschiedene Erscheinungsformen der Reibung führt.

DEFINIERTE LASTBEDINGUNG 2016, 11:40 - GEMA-Werknr.: 16450820

Die Komposition “Definierte Lastbedingung” basiert auf dem Klang elektromag-netischer Felder, wie sie beim Betrieb elektrischer Geräte entstehen. Mit einem Spezialmikrofon wurden im Institut für Elektrische Maschinen, Antriebe und Bahnen (IMAB, der Technischen Universität Braunschweig zahlreiche Aufnahmen gemacht.
Dieses Klangmaterial hat kaum etwas von dem, was sonst einem “musikalischen” Klang eigen ist. Es gibt keine räumliche Tiefe und keine Dynamik. In ihrer Geräusch-haftigkeit sind die Klänge statisch, obschon im Inneren bewegt. Sie wirken meist sperrig, harsch und abweisend, ja hermetisch wie das bekannte Netzbrummen.
“Definierte Lastbedingung” (ein technischer Begriff aus der Arbeit mit elektrischen Maschinen, arbeitet mit diesen Klängen, die mit den Mitteln des elektronischen Studios in ihrer Struktur untersucht, umgestaltet und musikalisch dramatisiert werden.
Die Netzfrequenz des elektrischen Stroms beträgt in Europa 50 Hertz und 50 und ihre Vielfachen ist auch die Maßzahl, die dieser Komposition in vielfacher Weise zugrunde liegt.
Spatialisierung: Ambisonic 3. Ordnung - 8 Kanal.
Eingeladen als deutscher Beitrag zu den Weltmusiktagen für Neue Musik,
Vancouver, Kanada, 2017.

Clemens von Reusner,

Jg. 1957, Komponist und Klangkünstler. Studium Musikwissenschaft und Musikpädagogik, Schlagzeug bei Abbey Rader und Peter Giger. Seit Ende der 1970er-Jahre Auseinandersetzung mit elektroakustischer Musik, radiophone Hörstücke, Soundscape-Kompositionen. Im Zentrum seiner Arbeiten stehen gleichermaßen rein elektronisch erzeugte, wie an besonderen Orten vorgefundene Klänge, z.B. solche, die der Alltagserfahrung meist entzogen sind, wie die Klanglandschaft eines Industriehafens, Orte mit speziellen technischen Anlagen oder auch nächtliche Klangszenen in einer Großstadt.
Ende der 1980er-Jahre Entwicklung der Musiksoftware KANDINSKY MUSIC PAINTER. Clemens von Reusner ist Mitglied des Deutschen
Komponistenverbandes (DKV) und der Gesellschaft für Neue Musik (GNM). Von 2010 bis 2013 war er Mitglied des Vorstands der Deutschen
Gesellschaft für elektroakustische Musik (DEGEM).
Zahlreiche internationale Aufführungen seiner Werke in Nord- und Südamerika, Asien, Europa, u.a. ICMC, International Csound Conference, Linux Audio Conference , EMU-Fest, New York City Electroacoustic Music Festival, SMC, ZKM, Seoul International Computer Music Festival.
Einladungen zu den Weltmusiktagen für Neue Musik 2011 in Zagreb (Kroatien) und 2017 in Vancouver (Kanada).