Konzert, Mittwoch, 7.10.2009, 19 Uhr, Glockenhaus

Duo Müller/Lassen (Lübeck) Friedhelm Döhl-Lieder

Programm

Friedhelm Döhl (*1936)

Vagabunden-Lieder nach Gedichten von Reinhard Döhl (1956)

(1) Der Vagabund ...
... und die Bäume
(2) ... und die Blume
(3) ... und der Mond
   
 

... wenn aber ... / 9 Fragmente nach Hölderlin für Bariton und Klavier (1969)

I. Tende Strömfeld ... (Fantasia I)
II. Süß ists ... (Canto I)
III. Dem dunklen Blatte ... (Ornamento I)
IV. Zu Rossen ... (Rondo I)
V. Heimat / Schlechthin diesesmal ... (Intermezzo quasi recitativo)
VI. Lied des Schweden (Rondo II)
VII. An (Canto II)
VIII. Sybille (Fantasia II)
IX. An meine Schwester (Ornamento II)

 

Dieter Müller, Bariton

Matthias Lassen, Klavier

Lieder von Friedhelm Döhl (*1936)

... wenn aber ...“ – 9 Fragmente nach Hölderlin für Bariton und Klavier

(komponiert 1969)

„Fragmente – nicht ´Lieder´ im üblichen Sinn. Fragmente – zugleich ´Labyrinthe´, existentiell wie ästhetisch: Doppelbödigkeit von Musik und Sprache. – Texte des mittleren Hölderlin, als diesem die Welt aufbrach, als er in ihren Rissen und Trümmern herumtastete, die verschiedenen Zeiten und Räume durcheinander bringend, aufeinander beziehend (so besonders exponiert in dem ersten Fragment ´Tende Strömfeld ...´, das Hölderlin auf die Rückseite einer Wäscherechnung notierte). – Ein auslösender Moment der Komposition war die Vorstellung des Hölderlinschen ´Gesangs´, wie ihn Wilhelm Waiblinger beschrieb:

Hat er eine Zeitlang [auf dem Klavier] gespielt und ist seine Seele ganz weich geworden, so fällt plötzlich sein Auge zu, sein Haupt richtet sich empor, er scheint vergehen zu wollen, und er beginnt zu singen. In welcher Sprache, das konnte ich nie erfahren, so oft ich es auch hörte; aber er tat es mit überschwänglichem Pathos, und es schauderte einem in allen Nerven, ihn so zu sehen und zu hren. Schwermut und Trauer waren der Geist seines Gesanges.

Formal sind die Fragmente zum Teil reduzierbar auf die musikalischen Prinzipien Fantasia, Canto, Ornamento, Rondo, Recitativo. Inhaltlich ist der Zyklus eine Art Irrfahrt durch die Labyrinthe der Außen- zur Innen-Welt, über die verschiedenen Stationen von Traum, Lust, Sehnsucht, Trotz, Trauer, Verzweiflung bis zur Resignation, schon jenseits der Verzweiflung. Mit gewissem Vorbehalt: eine andere ´Winterreise´.“

(Friedhelm Döhl)


Die frühen „Vagabunden-Lieder“ (1956) sind auf Texte von Reinhard Döhl, dem Bruder des Komponisten, geschrieben. Sie wurden erst 2001 in Lübeck veröffentlicht.

Dieter Müller studierte in Lübeck Bühnen- und Konzertgesang sowie Musikerziehung mit den Hauptfächern Rhythmik und Gesang bei Prof. Theodor Greß. Wichtige Impulse erhielt er auch durch seinen Lehrer im Fach Klavier Prof. Wilhelm Rau. Am Lübecker Theater war er als Gast verpflichtet, u.a. als Schaunard in "La Boheme". Seine Konzerttätigkeit umfasst vor allem die Mitwirkung in Oratorien und die Interpretation Neuer Musik. Er besuchte Meisterkurse bei Prof. Aribert Reimann (Modernes Lied) und bei Hans-Peter Blochwitz (Gesang). Dieter Müller studierte Atem bei Prof. Ilse Middendorf (Berlin). Er ist als Atem- und Gesangslehrer tätig, und unterrichtet als Lehrbeauftragter für Gesang an der Lübecker Musikschule.

Matthias Lassen studierte Schulmusik und Klavierpädagogik an der Musikhochschule Lübeck bei Evelinde Trenkner und Hartmut Leistritz, und besuchte außerdem zahlreiche Klavier-Meisterkurse bei Prof. Peter Feuchtwanger (London). Er studierte Musikwissenschaft in Kiel und ist seit 2003 als Musiklehrer am Gymnasium Wentorf tätig (u.a. als Chor- und Bläserklassenleiter). Weitere Tätigkeiten umfassen die Bereiche Komposition (zeitweise Unterricht bei Prof. Hans Darmstadt), Gesang (Unterricht bei Marie-Luise Ages/ Lübeck, Meisterkurs bei Kai Wessel) sowie die Gestaltung von Seminaren.

Beide Musiker haben maßgeblich an der Gründung des Vereins „Neue Musik im Ostseeraum e.V.“ 2007 in Lübeck mitgewirkt. Dieser Verein veranstaltet übers Jahr eine größere Zahl von Konzerten und Seminaren mit Schwerpunkt in Lübeck (www.neuemusikimostseeraum.de).

 

^