| Moxi Beidenegl (Argentinien) Komponistenportrait “Ab-stand / Dis-tancia” |
![]() |
Progamm
Über die Notwendigkeit von seismischer Bewegungen...
(2004-2007)
für Stimme und Live Electronics
1. Seismisch
2. Pulsativa
3. Zäi-sho
Crespado, crispado, crepitado (2003)
Rausch Etude mit Klängen aus dem Synthi 100
Tartar-re (2007) UA
für E-Gitarre und Live Electronics
(Gitarre: Ignacio Mendez)
Venezia (2007) UA
für E-Gitarre, Stimme und Live Electronics
(Gitarre: Ignacio Mendez)
Dunkelheit (2006)
für Stimme und Live Electronics
Miel, Agua, Rana (2005-2007)
für elektronische Klänge und bewegte Bilder
(in Memoriam Safina Newbery)
Ab-stand / Dis-tancia
Fern von einem Land? Einer Stadt? Vom mir „zugehörigen“ Ort? Die geografischen Koordinaten reichen mir als Ordnung hier nicht aus.Die Kälte der Landkarte verwandelt sich nur in etwas Lebendiges, wenn ich ihr ihre Leute (meine Leute) und ihre Erinnerungen (meine Erinnerungen) hinzufüge.Nur so kann ich einen Ort als meinen Ort definieren.Und währenddessen ich noch versuche, ihn als solchen zu definieren, verwandelt er sich.Denn an einem „anderen“ Ort zu leben bedeutet, dass neue Beziehungen entstehen, nahe, greifbare. Durch die neue Dynamik dieses Ortes erscheinen die Bindungen und Erinnerungen an jenen Ort immer weiter weg, werden verzerrt und idealisiert.Gleichzeitig stellt sich mein Identitätssinn viele Fragen: Wer bin ich in diesem neuen Kontext? Wie nehmen mich die Anderen hier wie auch dort wahr? Bis zu welchem Punkt können sie hier verstehen, wer ich bin sowie die dort verstehen, wie ich hier lebe?
Es gibt viele Verzerrungen: beispielsweise die der Sprache. Eine Sprache von Null neu zu erlernen, lässt uns die Erfahrung aus der Kindheit wieder erleben, sich lange Zeit nur unzureichend oder fehlerhaft ausdrücken zu können.Oder die idealisierte Wahrnehmung desjenigen, der an einen neuen Ort zieht, noch ohne sich eine Vorstellung von den Details der täglichen Auseinandersetzung mit sich selbst und der Umgebung zu machen, die dies mit sich bringt.Kontakt, Entfernung: der technische Fortschritt erlaubt es jetzt vielen, jederzeit Kontakt aufzunehmen und gleichzeitig dabei zuzusehen, wie die fernen emotionalen Bindungen sich immer mehr entfernen, immer mehr zur Illusion werden. Trotz der Emails und Webcams ist das Hier und Jetzt nicht kompatibel mit dem Dort und Jetzt, das die Patina der Ferne annimmt.Und so füllt sich die Musik in meinem Kopf mit Delaylinien, Feedbacks und verwischten Bildern, während ich versuche, meine neuen Koordinaten zu ordnen, zwischen zwei Welten zu leben und überleben, mein Zentrum zu orten und mich in meinem Kontext wieder zu verorten.
Moxi Beidenegl (1966, Buenos Aires, Argentinien) hat Soziologie und Gesang studiert. Seit 2001 wohnt sie in Hamburg, wo sie das letzte Semester des Masters in Multimediale Komposition studiert. Früher hat sie auch in der dortiger Hochschule das Zertifikat in Neuen Kompositionstechniken absolviert, unter der Leitung von Helmut Erdmann.
Seit mehreren Jahren beschäftigt sie sich als Performerin mit Schwerpunkt in Gesang + Live Electronics. Sie arbeitet gerne in Verbindung mit anderen Künstler und Ensembles. Ihre Werke wurden nicht nur in Hamburg aufgeführt, sondern auch in verschiedenen Städten in Europa, Südamerika und U.S.A. Einige Festivals in denen sie eingeladen wurde: Festival Eigenarten (2004-2007), Festival with no Fancy Name (New York, 2004), Festival The negative Horizont (Podewil, 2004), Festival Katarakt (2005-2006), Autumm Festival Estland (2006), Blurred Edges (2006, künftig 2007), Music in the Global Village (Budapest, 2007), u.a.