NachtKonzert
Mittwoch, 19.10.2011, 21 Uhr Glockenhaus, Glockenstraße
Elektroakustische Musik aus Österreich
Moderation: Prof. Klaus Ager,
Universität Mozarteum Salzburg
Klaus Ager l'Arbre de la Tristesse
L'Arbre de la Tristesse entstand 1978 im elektronischen Studio der Hochschule Mozarteum in Zusammenarbeit mit M. Rudiferia (Stimme) und G. Bahn (Maultrommel) und ist diesen gewidmet.
Technisch ging es bei dieser Arbeit um den Versuch der Verbindung von verschiedenen aufgenommenen Klängen (Musik und Text) mit elektronischen Klängen. Sowohl der Text, als auch der Maultrommelpart ist sozusagen fertiges - schon musikalisiertes Material - den die Komposition als solchen einzubeziehen hat, mit dem sie sich auseinandersetzen muss. Also Komposition mit Komposition.
Ein ähnlicher Prozess liegt auch dem 1977-79 entstandenen Werk Alinkonie II zugrunde: dort sind Kollektiv-Improvisationen die Basis der Komposition.
In beiden Werken wird präexistentes Material in die Komposition einbezogen, elektronisch verändert, verfremdet, manchmal sogar bis zur Unkenntlichkeit überlagert,
Dieter Kaufmann Herbstpathétique
Elektroakustische Komposition mit Gedichten von Hölderlin und Rilke, rezitiert von Gunda König. Realisiert 1972 in den Studios der „Groupe de Musique experimentale de Bourges“.
„Herbstpathétique“ ist eine Form der Lied-Komposition, Zwei der schönsten Herbstgedichte der deutschen Literatur, Hölderlins „Hälfte des Lebens“ und Rilkes „Herbst“, werden musikalische Struktur. Sie werden nicht „vertont“ im traditionellen Sinn, sonder der gesprochene Text wird mit den Mitteln der Elektroakustik interpretiert. Die Worte geraten dabei an und über die Grenze der Verständlichkeit, der Inhalt der Gedichte aber – in beiden Fällen resignierende Melancholie über deb Verlust sommerlicher Fülle – wird musikalisch gesteigert. Den Schlüssel dazu bilden zwei Worte: Hölderlins „weh’ mir“ und Rilkes „fallen“.
Zwischen den beiden Gedichten wird der „goldene Herbst“, die Zeit der Reife und der Feste mit rein musikalischen Mitteln dargestellt: durch Aufbau und Absinken einer instrumentalen Dreiklangsstruktur. Dabei verwandeln sich Rosen und reife Früchte in die „tristesse“ des Verwelkens.
Klaus Ager ...sondern die sterne sinds
wurde 1974 im Computerstudio EMS in Stockholm realisiert und 1976 im elektronischen Studio der Hochschule Mozarteum in eine ganz neue Version gebracht. In Salzburg erhielt das Werk seine jetzige 3-sätzige Anlage, wobei besonders der 2. Satz grundsätzlich neu gestaltet wurde. Allerdings stammen alle Klänge, die als Ausgangspunkt für das Werk wichtig sind, aus der ursprünglichen Stockholmer Fassung.
Rückblickend (1986) scheint in "... sondern die sterne sinds" schon ein Faktor auf, der in meinem weiteren Schaffen immer größere Bedeutung bekam: die kompositorische Arbeit mit gefundenem Material. Also in seiner einfachsten Ausprägung: die Arbeit mit Zitaten oder mit Klängen, deren Ursprung erkennbar sein soll, und die dann zu einer quasi sprechenden semantischen Musik führt. In "...sondern die sterne sinds" handelt es sich dabei im 3. Satz um elektronische Klänge, die von den meisten Hörern als Vogelstimmen verstanden werden, und dadurch sozusagen die Grenzen eines konkreten Konzertsaals aufreißen. Ähnliches passiert im 2. Satz, dem gegen Ende des Satzes ein Schubert Zitat zu Grunde liegt, wodurch Grenzen der Zeit aufgelöst scheinen.
Dieter Kaufmann (* 22. April 1941 in Wien) ist ein österreichischer Komponist. Er ist einer der Pioniere der Elektroakustischen Musik in Österreich.
Kaufmann legte 1959 seine Matura ab. Danach studierte er Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Wien sowie Musikerziehung, Violoncello und Komposition bei Karl Schiske und Gottfried von Einem an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Von 1967 bis 1969 studierte er Komposition bei Olivier Messiaen und René Leibowitz am Conservatoire de Paris und Elektroakustische Musik bei Pierre Schaeffer und François Bayle am Groupe de recherches musicales in Paris.
Von 1963 bis 1967 war er Chorsänger (Wiener Staatsoper, Volksoper Wien und Theater an der Wien). 1966 war er Mitarbeiter des ORF-Landesstudios in Kärnten. 1970 wirkte er am Theater Pupodrom in Wien. 1975 gründete er gemeinsam mit seiner Frau - der Schauspielerin Gunda König - und dem Tontechniker Walter Stangl das K & K Experimentalstudio in Wien. Von 1976 bis 1980 war er Vizepräsident und von 1983 bis 1988 Präsident der Sektion Österreich der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. Von 1983 bis 1990 leitete er die Kompositionsklasse am Kärntner Landeskonservatorium. Von 1988 bis 1991 war er Präsident der Gesellschaft für Elektroakustische Musik. Von 1991 bis 2006 hatte er eine Kompositions-Professur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Wien inne und war dort Leiter des Instituts für Elektroakustik und Experimentelle Musik. Dort wirkte er auch als Studiendekan für Komposition, Dirigieren und Tonmeister. Außerdem war er Präsident der Gesellschaft zur Wahrnehmung mechanisch-musikalischer Urheberrechte Gesellschaft und von 2001 bis 2004 des Österreichischen Komponistenbundes.
Dieter Kaufmann ist der Enkel von Anton Keschmann.