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„Neue Musik im Museum“

Donnerstag, 19. Juni 2008, 19.00 Uhr „How are you, Mr. Mozart?“ -
H.W.E. meets W.A.M.von und mit Helmut W. Erdmann
und der Klasse 6 des Walddörfer-Gymnasiums Hamburg.
Eine vielgestaltige Komposition für Instrumentalistik, Vokalisten und Sprecher mit und ohne Live-Elektronik


How are you, Mr. Mozart? H.W.E. meets W.A.M.

Mozart kennt jeder – Mozarts „Türkischer Marsch” ist auf vielen Handys zu hören – die „Kleine Nachtmusik“ hört man an jeder Ecke und die „Zauberflöte“ gehört zum festen kulturellen Repertoire einer Stadt.
Was passiert eigentlich, wenn der alte Meister auf einen heute lebenden Komponisten trifft, wie hier auf den Komponisten Prof. Helmut W. Erdmann stößt? Plötzlich hört man seinen Mozart neu. Das Alte wird zum Steinbruch, um Neues entstehen zu lassen. Dabei wirkt jeder Schüler individuell mit, indem er instrumental oder vokal einen Beitrag leistet. Herkömmliche musikalische Parameter, wie ein festes Metrum oder das genau festgelegte Zusammenspiel werden außer Kraft gesetzt. Es entsteht Neues und das bei jedem neuen Spiel! Es gibt nur noch einen festen Rahmen (vom Komponisten gesetzt), indem sich der Einzelne individuell bewegen darf. So kann jeder Mitwirkende seinen Teil zum Gesamtergebnis beitragen. Es entstehen neue Klänge, neue Räume und neues Hören. Zugegeben, neues Hören ist am Anfang ungewohnt und anstrengend, aber repräsentiert es nicht ein Phänomen der Gegenwart?
Die Schüler der 6b haben sich unter der Leitung von Brigitte Köchlin auf diese Herausforderung eingelassen und präsentieren gerne ihr Ergebnis. Lassen auch Sie sich auf die Herausforderung als Publikum ein und entdecken Sie zusammen mit uns Neues, bisher selten Gehörtes.
Viel Vergnügen!

 

 
Vorstellung und Einführung:

Das Walddörfer-Gymnasium liegt in Hamburg-Volksdorf. Das Gebäude entstammt der Zeit der Reformpädagogik und zeichnet sich durch seine offene Architektur aus. Jedes Klassenzimmer hat eine Tür ins Freie. Diese offene Anlage spiegelt sich im sogenannten „Walddörfergeist“ wider, einer Einstellung, die Schüler, Eltern und Lehrer tagtäglich leben und erleben. Offen sein für Neues und zugleich einen Bezug zur Vergangenheit wahren. Diese Grundeinstellung ist der fruchtbare Boden für Unterrichtsprojekte wie das hiesige: Gegenwart (Helmut W. Erdmann) trifft auf die Vergangenheit (Wolfgang A. Mozart) und befruchtet sich gegenseitig, so dass eine neue Pflanze gedeiht.
Die Klasse 6b (unter der Leitung von Brigitte Köchlin) nahm diese interessante Herausforderung an. 27 Schülerinnen und Schüler machten sich in einer wöchentlichen Doppelstunde frisch ans Werk. Die Hälfte der Klasse spielt ein Instrument, die andere Hälfte benutzt die Stimme als Klangkörper. Beide Hälften ergänzen sich gegenseitig zu einer Gesamtheit.

 

Der Aufbau des Stücks lässt sich wie folgt beschreiben:


Eröffnet wird das Werk durch eine Fanfare. Ähnlich einer Promenade marschieren die Schüler hierbei ein, um anschließend auf der Bühne Aufstellung zu beziehen. Dieses Vorspiel bedient sich noch herkömmlichen Notationsformen und ein festes Metrum ist vorhanden. Der Sprechgesang „WAM“ bietet als Eröffnung gleichzeitig die Überleitung zum eigentlichen Stück. WAM steht dabei für Wolfgang Amadeus Mozart. Insgesamt dauert das Stück zehn Minuten, wobei jeder Teil eine ganze Minute dauert und mit Hilfe einer Stoppuhr „gezählt“ wird. Nun wird das traditionelle Metrum außer Kraft gesetzt.

Die erste Minute leitet die Komposition ein. Textlich findet eine erste Vermischung zwischen WAM und HWE (Helmut W. Erdmann), den beiden Komponisten und ihrer Stile, statt. Auch musikalisch trifft Altes auf Neues. Während typische Sekundbewegungen eher dem Stil Mozarts zuzuordnen sind, deuten übermäßige Dreiklänge auf das Zeitalter der Neuen Musik hin.

Die Melodie des zweiten Teils kennt jeder. Während die Querflöten die Melodie des Papageno aus der „Zauberflöte“ trällern, fragt der Chor etwas unschlüssig, ob es wohl der sonderbare Vogel-Fänger sei. Daraus wird ein Wortspiel, so dass der Chor selbst zum Spieler wird. Die übrigen Instrumentalisten gesellen sich durch Spielen übermäßiger Dreiklänge lustig in den Reigen mit ein.

Nach dieser Variation folgt während der dritten Minute ein Intermezzo, wo sowohl HWE als auch WAM zum Zuge kommen. Fortsetzung findet die „Zauberflöte“ in der vierten Minute, während der zweiten Variation. Nun äußert Papageno seine Wünsche bezüglich eines Mädchens oder Weibchens. Musikalisch scheint hierbei jedoch einiges „schief“ zu gehen. Die fünfte Minute ist mit Material aus dem Brief Mozarts vom 28. April 1778 an seine Cousine, der „Bäsle“, gestaltet worden. Jedes Wort ist hierbei sowie auch in der sechsten Minute original zitiert, obgleich Mozart in dieser sprachlichen Drastik seltener bekannt ist. Die einzelnen Phrasen werden verkürzt und eliminiert, so dass ein lustiges, neuzeitliches Wortspiel mit Dreck – schleck und schmeck übrig bleibt. Parallel erklingen ein paar Motive aus der Eingangspromenade.

Das dritte Intermezzo während der siebten Minute versucht die Gemüter wieder zu beruhigen. In der Ferne hört man schon bekannte, harmonische Klänge aus Mozarts Serenade. Die „Kleine Nachtmusik“ schleicht sich langsam herein, wobei die einstige Idylle von damals nur noch facettenartig vorhanden ist; zu sehr mischen sich einzelne Dissonanzen der Gegenwart darunter, es findet eben ein Treffen zwischen Tradition (W. A. Mozart) und Moderne (H. W. Erdmann) statt.

In der achten Minute wird als Variation vier zur „Zauberflöte“ zurückgekehrt. Dort singt die Königin der Nacht: „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“. Hiervon inspiriert, beginnt die Komposition nun richtig zu kochen. Man hört geradezu das Schallen aus der „Rachehölle“.

In der vorletzten Minute scheint der Vogelfänger seinen Spaß zu treiben und schaut noch einmal musikalisch vorbei. Sein lustiges Treiben ertönt mit dem „Pa-pa-pa-pa- Motiv“, welches nun allerdings textlich durch ein „Wam-wam-wam-wam“ verfremdet wird. Dazu gesellen sich Motive vorheriger Seiten, wie beispielsweise das HWE- sowie das schleck-dreck-schmeck-Motiv.

Die letzte Minute bildet das Finale, den Epilog. Durch Zitate aus dem „Türkischen Marsch“ wird sich beschwingt auf das Ende vorbereitet. Die Instrumentalisten bewegen sich zwischen konsonanten und dissonanten Klängen, während die Sänger passend dazu die Komponisteninitialien aufgreifen und nun ebenfalls wild durcheinanderwürfeln. Der Bezug zum Titel des Stücks ist unverkennbar. Wie in einer Rückblende ziehen während der letzten Sekunden alle Hauptmotive noch einmal am Hörer vorbei. Das Thema der Promenade ertönt aber bereits parallel zum Ausmarsch, womit die Mitwirkenden anschließend nach und nach die Bühne verlassen. Der ganze Spuk ist beendet.

Das Treffen zweier großer Komponisten war zeitlich begrenzt, aber intensiv und anregend. Werden sie weitere „Gesprächsthemen“ finden, um sich erneut in Zukunft zu treffen? Wir dürfen gespannt bleiben.