Programm Sonntag, 9. Mai, 19 Uhr Glockenhaus

Homo Ludens

ALEX NOWITZ
Ein Solo-Konzert für Stimme, Live-Elektronik mit Gestural Controllers und Klavier

Alex Nowitz Studies for Self-Portrait
für Stimme und Live-Elektronik mit Gestural Controllers
   
 

voicescapes
für Stimme solo

   
 

Sirenentränen und Seelentöne
für Zuspiel in Collage mit Klavier-Etude Nr.1, für Klavier solo

   
 

Minotaurus
für Stimme und Live-Elektronik mit Gestural Controllers

   

 

ALEX NOWITZ

Homo Ludens
Ein Solo-Konzert für Stimme, Live-Elektronik mit Gestural Controllers und Klavier

Alex Nowitz ist bekannt als Komponist von Die Bestmannoper (Uraufführung am Theater Osnabrück 2006 (Insz.: Immo Karaman, Mus. Leitung: Hermann Bäumer) sowie als Sänger und Stimmkünstler aus Thomas Ostermeiers Inszenierung Ein Sommernachtstraum an der Schaubühne Berlin.
Als Sänger benutzt er für seine Live-Performance verschiedenste Techniken diverser Genres, die er auf ungewöhnliche Weise neu kombiniert: Countertenor trifft auf Hardcoregrowling, Tieftongesänge auf Mundwerkzeugklänge, Pfeiffimprovisationen auf invers erzeugte Stimmklänge.
Er arbeitet zudem mit einem völlig neuartigen Musikinstrument, das aus zwei kabellosen Fernbedienungen (Wii-Controllern), einem Laptop und einer speziellen Computersoftware besteht, die er am STEIM (STudio for Electro-Instrumental Music) in Amsterdam entwickelte. Die Spielweise dieses Instrumentes ist deswegen so außergewöhnlich, weil der Performer einerseits an keine Kabel gebunden ist und sich damit frei im Raum bewegen kann und andererseits die Musik durch seine Arm- und Handbewegungen im Raum so generiert und kontrolliert, dass dadurch auch eine besondere Form der Choreografie entsteht. Während des Performance-Acts nimmt Nowitz seine Stimme auf. Zusammen mit Kompositionen seiner eigenen Handschrift verwendet er diese Samples im weiteren musikalischen Verlauf auf vielfältige Weise. Und als ob er in einen Spiegel blickte, entsteht so ein musikalisches Selbstporträt.

www.nowitz.de


Programmnote zu Minotaurus:

Mein Erbe
ist das Rätsel
das mich
fühlen lässt
dass ich niemals
wissen werde
wer ich bin
wozu ich bin
noch was mich
mit der Welt
außerhalb meiner selbst
verbinden könnt (…)
               Sonja Kloevekorn

 

Minotaurus
für verstärkte Stimme und Live-Elektronik mit Gestural Controllers
von und mit Alex Nowitz. Text: Sonja Kloevekorn

„Die Komposition ist inspirirert von Friedrich Dürrenmatts gleichnamiger Ballade. Die griechisch mythologische Figur von halb Mensch/halb Stier ist für ihn ein Sinnbild des modernen Menschen, der an der Schwelle von Barbarei und Zivilisation steht.
            Minotaurus – ein echter Hybrid. Nicht Mensch, nicht Tier oder doch einfach beides zugleich? Ein Mörder oder seinerseits Opfer, isoliert, unerkannt, misinterpretiert?
Schuldlos schuldig? Welches Bild von sich selbst spiegeln ihm die Wände seines Labyrinths wider? Was dringt von außen bis zu ihm? Welche Art von Sprache könnte er in der Orientierungslosigkeit entwickelt haben?
            In der Komposition Minotaurus setze ich mich mit diesen Fragen zu einer mythisch aufgeladenen und doch kaum bekannten Figur auseinander. Dabei schlüpfe ich selbst als Sängerperformer in die Rolle dieses Mischwesens und generiere zu diesem Zwecke eine musikalische Sprache, die aus den Möglichkeiten meiner Stimme und denjenigen von Live-Elektronik mit Gestural Controllers entsteht, deren jeweiliges Material auf vielfältige Art und Weise verschmelzen soll.“

Alex Nowitz
Potsdam, Oktober 2009

Programmnote zu Studies for Self-Portrait:

            "Ich arbeite mit meiner Stimme als Sänger und Sängerperformer seit ca. 20 Jahren, wobei ich viele Genres, Stile und Techniken erprobt habe, um immer wieder neues und unbekanntes Terrain zu entdecken. Der Prozess, verschiedene Arten, die Stimme zu nutzen und das gesammelte Material jederzeit abzurufen, ist sehr ähnlich jener Musik, die auf Sampling Processing basiert. Seit Oktober 2007 arbeite ich an einem Setup für Live-Elektronik. Hierbei benutze ich zwei Wii-Remotes als Gestural Controllers, einen Laptop-Computer und Software, die am STEIM in Amsterdam entwickelt wurde. Das Material oder die Samples, die ich für die Arbeit Studies for Self-Portrait verwende, geht auf Kompositionen zurück, die ich in der Vergangenheit geschrieben und aufgenommen habe. Ebenso nehme ich meine Stimme während der Performance auf, um dies als zusätzliches Material im weiteren Verlauf dieses Schaffensprozesses zu nutzen. In beiderlei Hinsicht ist es so, als ob ich in den Spiegel sähe und mein eigenes Selbst-Portrait entwerfe.“

Alex Nowitz, Stockholm
May 16, 2009

Preis:

Mit der Uraufführung seiner Komposition "Minotaurus", für eine verstärkte Stimme und Live-Elektronik mit Gestural Controllers, gewinnt Alex Nowitz den ersten Preis des zweiten Europäischen Wettbewerbs der ECPNM (European Conference of Promoters of New Music) für Komposition und Interpretation von Musikprojekten mit Live-Elektronik. Die vom MWFK (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) des Landes Brandenburg und dem EMS in Stockholm (Electroacoustic Music in Sweden) geförderte Uraufführung fand am 4. Oktober innerhalb des Abschlusskonzertes der ISCM (International Society of Promoters of New Music) World New Music Days 2009 in Göteborg statt. Durch die Unterstützung der Stiftung STEIM in Amsterdam hat er seit Herbst 2007 das in der Komposition verwendete, neuartige elektronische Instrument entwickelt (siehe Artikel: Voice and Live-Electronics Using Remotes as Gestural Controllers).

 

Alex Nowitz

*1968 in Niederbayern + Komponist von Vokalmusik, Kammermusik unterschiedlichster Besetzungen, elektronischer Musik und Werken für Tanz-, Sprech- und Musiktheater + mehrmonatige Arbeitsstipendien im In-und Ausland + als Sänger, Pfeif- und Stimmkünstler Zusammenarbeit mit Musikern und Komponisten aus verschiedenen stilistischen Bereichen + ebenso als Improvisationskünstler und Interpret internationale Auftritte (Europa, Nordamerika, Russland) + Kompositionsaufträge von Ensembles, wie z.B. der Kammerakademie Potsdam oder von Tanzcompagnien, wie der Chartier Danse Compagnie/Toronto und von Theatern, wie der Staatsoper unter den Linden Berlin + seine erste abendfüllende Oper "Die Bestmannnoper" wurde im Frühjahr 2006 mit großem Erfolg unter der Leitung von GMD Hermann Bäumer am Theater in Osnabrück uraufgeführt + Drittes Jahr der Intensiven Zusammenarbeit mit STEIM in Amsterdam zur Entwicklung von neuartigen elektronischen Instrumenten + 1. Preis der ECPNM für Komp. und Interpret. von “Minotaurus”, für verstärkte Stimme und Live-Elektronik, während der ISCM in Göteborg am 4.10.2009.

www.nowitz.de