Mittwoch, 16.05.2012, 19 Uhr im Glockenhaus, Glockenstraße

 

Komponistenportrait Walter Schröder-Limmer
Pionier der Videomusik und algorithmischer Komposition

Bit/Bach

Video-Improvisation (Helmut W. Erdmann)

Todesfuge

Synthetic Landscape

Debatte

 

Von der Videokunst, sprich "Videomusik" zur algorithmischen Komposition: Ab 1955 studierte ich bei Hermann Heiss in Darmstadt an der Akademie für Tonkunst Komposition und Improvisation. Dabei interessierte mich zunächst hauptsächlich die Elektronische Musik, damals etwas ganz Neues. Aber die Kompositionstechnik, Ton für Ton auf Band zu montieren schreckte mich zunächst ab und meine ersten Uraufführungen bei den Ferienkursen 1956, 1957, 1958 waren zunächst (seriell konzipierte) Klavierstudien. Bis 1972 komponierte ich ausschließlich instrumental, teilweise mit graphischer Notation. Im August 1972 erlitt ich dann den schweren Motorradunfall und lag bis Anfang 1973 im Krankenhaus. Als ich dann auch erfuhr, dass ich nicht mehr Oboe spielen kann, da bestimmte Armnerven aus der Wirbelsäule gerissen waren (Plexus-Abriß), befasste ich mich noch im Krankenhaus mit dem Synthi AKS von EMS. So entstanden die ersten Elektronischen Kompositionen, etwa Bit/Bach (1970-1973). Allerdings suchte ich schon immer nach einer geeigneten Möglichkeit, Elektronische Musik in Echtzeit darzustellen. In dieser Zeit sah ich auf der Frankfurter Musikmesse auch den ersten Videosynthesizer von EMS und erkannte jetzt sofort die Möglichkeit, Elektronische Musik farbig und bewegt zu visualisieren (Synthetic Landscape, Sprachspiel "Debatte" und "Todesfuge"). Mit diesen rein elektronischen Kompositionen ging ich dann in der visualisierten Version zum Fernsehen und zu einigen Kunstvereinen und fand dort grosses Interesse. Leider bemerkte ich aber schon bald, dass die "Künstler" nicht zuhörten und nur das Bild, den Videofilm beachteten. Daher bearbeitete ich die elektronischen Kompositionen neu, machte die Struktur kürzer oder änderte die gesamte Form (Todesfuge). Dadurch entstand für mich eine neue Form der Videokunst, die "Videomusik", weil sie sich immer an der Musik orientierte. Als 1980 der erste Apple Computer erschien, stürtzte ich mich sofort darauf und stellte fest, dass man damit nicht nur Grafik kreieren, sondern auch Musik komponieren konnte. Allerdings gab es noch kaum musikalische Software, so dass ich selbst daran ging, mir musikalische Programme, zunächst in Basic, zu schreiben. Jetzt kamen mir meine Erfahrungen aus der seriellen Musik einerseits und der analog programmierten Elektronischen Musik ("Musikobjekte") andererseits zugute. Ende der 70ger konzertierte ich schon mit H.W. Erdmann im HR mit rein Elektronischer Musik und Improvisation im Hörfunk, und Anfang der 80ger dann wieder im TAT in Frankfurt und zur Musikmesse, diesmal aber mit Computermusik oder mit improvisierter Musik nach einer graphischen Computernotation (Varius-Ensemble). Die originale Einheit aus dem alten Apple plus einem speziellen ADDA-Wandler (entwickelt von einem ehemaligem Schüler, B. Heidersberger aus Wolfsburg) steht noch heute im Dachgeschoß des Fortbildungszentrums.
Ein anderer Schüler, ein Klarinettist musste damals zur Bundeswehr, dazu entwickelte er ein Notationsprogramm, das Noten für die Klarinette transponieren konnte. Damit ging er - nach vielen Umwegen - auch zu Steinberg, und bald entstand so die Urversion des ersten Cubase. Mit dieser Entwicklung, Musik nun analog zum akustischen Ergebnis, in Echtzeit nun endlich darstellen zu können, ließ spontan mein Interesse für die Videomusik nach, (obwohl der Computer nun beides gleichzeitig machen konnte). So kann man sagen, dass seit dem Apple, dem Atari oder dann dem PC, (also etwa seit 1985) ich keine Videomusik mehr komponieren wollte und auch den Videosynthesizer verkaufte. Mit dieser Möglichkeit der nun ausschließlich algorithmisch komponierten und notierten Musik konnte ich nun auch wieder instrumental komponieren und etwa vo HWE und dem Varius-Ensemble oder derm Yamaha-Disklavier, Stücke akustisch aufführen lassen. Ich konnte auch mit Samples komponieren und musste nicht ausschließlich nur elektronische Klänge (Vocoder) benutzen, zumal mich der inflationäre Gebrauch solcher Klänge in der Popmusik störte. Leider gibt es aber immer noch zu wenig Pianisten, Streicher, Bläser oder ganze Orchester, die sich die Mühe machen, komplexe algorithmische Musik aufzuführen (einfacher will ich aber nicht schreiben). So dass bis heute eigentlich nur das Disklavier oder Samples die algorithmische Musik fehlerfrei und in Echtzeit "spielen". Mein Traum wäre deshalb ein Orchester aus vielen "mechanischen" Instrumenten, auch Streicher, Bläser, Schlagzeug usw., die eine Komposition in Echtzeit uraufführen könnten, den meine algorithmischen Stücke klingen jedesmal etwas anderes, sind alles Unikate, wie die improvisatorisch konzipierten Stücke von H.W. Erdmann.
Walter Schröder-Limmer

 

 

NachtKonzert
Mittwoch, 16.5.2011, 21 Uhr, Glockenhaus, Glockenstraße

Elektronische Musik - Walter Schröder-Limmer

Pionier der algorithmischen Komposition

 

Klavierstudien 1957-62 (serielles Komponieren)

Tokkata - Versionen 2002 (algorithm. Komponieren)

Fractal Landscapes 2004 (für div. Soloinstrumente)

Viv-Machine, pseudobarocke Sequenzen und Concerti