
Übersetzt hieße der Titel dieses Werks "Burroughs' Blasebalg"... ...Burroughs bellows [zweites Wort klein] würde bedeuten: Burroughs, William S. Burroughs, der Dichter und Poet, schreit, plärrt maßlos, sing-brüllt, erkotzt sich in einem ausgedehnten Schrei von einer Hölle zur nächsten. Sein Buch "Naked Lunch" erzählt in nur scheinbar primitiver Weise vom Missbrauch von Macht, Heldenverehrung, zielloser Gewalt, materialistischer Zwangsvorstellung und jeder, jeglicher Spielart von Heuchelei. ...aber auch von an Drogenlust und Halluzination verderbten Menschen. A SONG FROM HELL..., brutal, angsterregend wild und doch nicht ohne schwarz-grauen Unterton von Humor und Hoffnung. Zu sagen, all dies wäre der Stoff, aus dem diese Musik gebaut ist, wäre vermessen. "Burroughs' Bellows" ist inspiriert von der "hard edge"-poetischen Kraft, die aus W. S. Burroughs Buch spricht. [vh]
Kompositionsauftrag der Stadt Bühl/Baden initiiert von Interzone perceptible Dauer: 10'00 [UA: Bühl/Baden im Rahmen von "schroffe kanten", 25.11.2000]
Volker Heyn
Komponist [*1938 in Karlsruhe]
1960 Emigration nach Australien ... Teilzeit-Jobs, Schichtarbeit in stahlverarbeitender
Industrie ... dabei erste Begegnungen mit Klang der "metallischen Art" ... starke
Eindrücke ... Anschaffung einer damals recht primitiven Tonbandmaschine. Experimente
mit den sogenannten "hard and soft edges of reverberating metal", eine intensive
Beobachtung der unberechenbaren nichtlyrischen sowie der poetischen Aspekte
von klanglichen at random Ereignissen. Credo: "Poesie im Geräusch" ..... Fortsetzung
dieser Studien bis etwa 1964.
1961-63 Studien an der Savitzkys Actors School Melbourne ... Mitglied einer reisenden Theatergruppe ... Produktionen auch im Musiktheaterbreich.
1966-70 Gitarrenstudien bei Antonio Losada in Sydney ... Musiktheorie bei Don Androws am Sydney Conservatory. 1972 Rückkehr nach Europa ... weiteres Gitarrenstudium bis 1977 an der Staatl. Musikhochschule Karlsruhe ... Komposition bei Werner Eugen Velte ... Mitglied in der von ihm gegründeten Gruppe für Kreative Musik.
1975 Erste Unternehmungen in Komposition ... die meisten dieser Arbeiten verloren ... seit 1978 aktiv in freischaffender Komposition.
für Akkordeon, E-bass und Elektronik (2003) (bzw. für E-Akkordeon und E-bass)
Gern werden musikalische Architekturen auf dem sicheren Fundament solider Baßstimmen
gebaut. Die tiefen Frequenzen in "Thronlos" befinden sich dagegen in ständig
gleitender Bewegung: Trotz verschiedener Anläufe bleiben alle Versuche, auf
diesem schwankenden Grund stabile Ordnungen zu schaffen, letztlich vergeblich.
Kilian Schwoon
Kilian Schwoon wurde 1972 in Hannover geboren. Seine Studien an der Folkwanghochschule
Essen in Komposition (bei Nicolaus A. Huber) und in elektronischer Komposition
(bei Dirk Reith) beendete er 1997 mit Auszeichnung. Stipendien der Studienstiftung
des deutschen Volkes und des DAAD ermöglichten es ihm, seine Studien in Florenz
bei Luciano Berio und am Institut für Live-Elektronik Centro Tempo Reale bis
1999 fortzusetzen.
Er erhielt für seine Arbeiten den Folkwangpreis und den Busoni-Förderpreis der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg. Seine Werke wurden u.a. ausgewählt zum Nachwuchsforum des Ensemble Modern und zu den ISCM World Music Days 2000 in Luxemburg. Neben der kompositorischen Tätigkeit ist Kilian Schwoon regelmäßig an den Forschungs- und Konzertaktivitäten des Centro Tempo Reale beteiligt und war für zahlreiche Produktionen der Werke Berios mit Elektronik mitverantwortlich.
Im Sommer 2002 entstand die Idee dieses Projektes. Der Gedanke bestand darin, ob es für einen Komponisten möglich sei, in einer enorm kurzen vorgegebenen Gesamtdauer seine musikalische Individualtät überzeugend ausdrücken zu können, und das sogar mit einer von uns gewünschten Vorgabe. Alle Komponisten wurden vor die Aufgabe gestellt, ein Stück zu schreiben mit einer maximalen (!) Gesamtdauer von 5 Sekunden, "as cruel as possible, trash, hardcore, punk", für elektrifiziertes Akkordeon, E-Bass und Live-Elektronik, mit/ohne Stimme, Komposition, konzeptionelle Improvisation, Performance, CD-Zuspielungen. Die ersten 5 in Auftrag gegebenen Arbeiten stammen allesamt von Komponisten, die bereits sehr eng, teils sogar mehrfach mit Interzone perceptible zusammengearbeitet haben. Und es funktioniert! In einer Aufführungsdauer von 0,2-2,0 Sekunden erklingt ein unverwechselbarer Hespos, Gerhard Stäbler schreibt ein Mini-Instrumental-Theater-Stück, was wie ein Konzentrat seines bisherigen Schaffens wirkt, in Outerzone scheint man Volker Heyn leibhaftig plärren, schreien und singen zu hören, Rook eröffnet selten gehörte dunkle Abgründe, wie sie selbst in Gothik- oder Industrial-Musik selten zu finden sind. Dabei ist jedes der Stücke keinesfalls als Statement oder bloßer musikalischer Fingerabdruck des Komponisten zu verstehen, jedes der Stücke entfaltet sich formal völlig individuell, erklingt in sich abgeschlossen. [ip, 7.01.2003]
Bisher entstandene 5-Sekunden-Stücke [Stand Mai 2004]:
Hans Joachim Hespos: stitch [2002] Volker Heyn: outerzone [2002] Jeff Kowalkowski:
Proooosla! [Performance, 2002] Michael Rook: burst [2002] Gerhard Stäbler: Kopffüssler
[2002] Daniel N. Seel: Requiem [2002] Kunsu Shim: kurzschluss [2003] Martin
Schüttler: porno [2003] Eric Flesher: Apparatus of Lies [2003] Juliane Klein:
Für danach [2003] Man Bang Yi: Dassot Hannah [2003] Sven Hermann: FILE [Performance,
2003] Matthias Hettmer: Timmy [2004] Amnon Wolman: 55 mph [2004] Das Projekt
wird fortgesetzt.
"Ich plane ein Concerto für E-Bass zu schreiben, vielleicht wirst du den Part des Orchesters übernehmen und Matthias wäre der Solist - mit vielen Kadenzen." (e-mail vom 26.März 2002)
"Für dieses CONCERTO stelle ich mir drei Boom-Box-Stimmen vor. Ist das O.K.? Die müssen nicht gut sein. Ich werde dir 3 Playback-CDs zu dem Stück schicken. Matthias hätte seinen Platz in der Mitte der Bühne auf einem Podest, gut einen Meter über der Bühne. Er ist umgeben von den drei Boom-Boxes. Du wirst vor ihm auf dem Boden sitzen und mit dem Rücken zum Publikum spielen. Du wirst zusätzlich zum Akkordeon noch viele andere "Instrumente" spielen." (e-mail vom 28. März 2002)
Das Concerto ist beinahe fertig. Ich hoffe es wird dir gefallen. Der Titel lautet: "Westbeth Concerto" - nach der WesthBethune Künstlerkolonie in Greenwich Village, wo ich in New York untergekommen bin. Die Idee kam mir unter der Dusche. Ich habe es in der U-Bahn, im Bus und im Flugzeug geschrieben, dann auch in der U-Bahn in Chicago auf dem Weg nach Hause. Ich werde es dir in etwa einer Woche schicken - hoffe ich. (e-mail vom 16. April 2002) [jk]
Jeff Kowalkowski
Komponist
Geboren in Chicago 1967, wo er auch heute lebt und an der De Paul University
Komposition unterrichtet. Er ist Gründer einer gemeinnützigen Organisation namens
Milkwood Foundation, die Musikproduktionen mit gefährdeten Jugendlichen aus
sozial schwachen Stadtvierteln organisiert. Er hat drei CDs mit dem renommierten
Duo "Jack the Dog" veröffentlicht und sein Opernprojekt in Zusammenarbeit mit
dem kroatischn Komponisten Marko Ciciliani wurde 21mal in den USA, den Niederlanden
und Deutschland aufgeführt. 1998 arbeitete er an "Voix [time]" in Darmstadt.
Er erhielt Stipendien und Kompositionsaufträge vom American Composer's Forum,
Meet the Composer, dem Kulturamt Hamburg, Gaudeamus, dem Shedd Aquarium of Chicago
und von Pauline Olivero's Foundation. Eine CD-Veröffentlichung seiner jüngsten
Formation "Kruk Trio" ist erhältlich bei MP3.com/KrukTrio. Als besonderer Gast
ist hierauf Sven Hermann am Akkordeon zu hören. Seine Frau Mary Decker ist Bibliothekarin
an der Chicago Public Library.
Interzone perceptible, Anfang 2000 von dem Akkordeonisten Sven Hermann und dem E-Bassisten Matthias Hettmer gegründet, bediente sich als Inspirationsquelle zur Namensfindung aus William S. Burroughs "Naked Lunch". Der dort beschriebene fiktive Ort "Interzone", ein Ort, in dem Realität und Fiktion verschwimmen, erschien plötzlich wie ein Synonym für das angestrebte Arbeitsfeld, ein Ort, der buchstäblich zwischen allem steht. Alles wäre möglich. Und genau dies, was Anfang 2000 noch Wunschdenken war, entdeckt 2002 die Musikwissenschaftlerin Eva-Maria Houben wieder: "Grenzen zwischen Komposition und Improvisation, Auge und Ohr, U- und E-Musik werden transparent: Auch Filmmusik, auch performance, concept art, auch Klanginstallation, soundscape u.v.m. werden einbezogen (...)" [aus: Hören (3): zwischen Räume und Zeiten, zwischen Wirklichkeiten ... kopfHörer/experimentelle musik elektrovisuell 5./6. Juli 2002 in Bühl/Baden; Tageszeitung Acher und Bühler Bote, 25.6.2002]. Von Anfang an also definiert sich Interzone perceptible über ein ständig erweiterndes bzw. veränderndes, also fluktuierendes Arbeitsfeld, ist demnach eine Art "musikalisches Chamäleon". "Komponiertes Repertoire" steht gleichwertig der "konzeptionellen Improvisation", der "Performance", der "Stummfilmmusik", der "Klanginstallation" und dem "Soundscape" gegenüber. Der Einbezug von Elektronik [Elektrifizierung des Akkordeons, Verwendung elektronischer Effekte, CD-Zuspielungen...] ist inzwischen zum markantesten Aspekt des Interzone perceptible-Sounds geworden. Jedes Stück erhält hierdurch seine individuelle körperlich räumliche Klangfarbe und definiert somit immer wieder aufs Neue die Frage nach Ensembleklang oder Bandsound.
Interzone perceptible arbeitet ständig mit Komponisten der experimentellen und Neuen Musik zusammen, regt neue Werke für elektrifiziertes Akkordeon, E-Bass und Live-Elektronik an.
Folgende Komponisten haben bisher mit Interzone perceptible zusammengearbeitet: Antoine Beuger (Düsseldorf), Thomas Bruttger (Köln), Alvaro Carlevaro (Montevideo), Keith Carpenter (Milwaukee), Marko Ciciliani (Amsterdam), Eric Flesher (Los Angeles), Hans-Joachim Hespos (Ganderkesee), Volker Heyn (Karlsruhe), Manuel Hidalgo (Leonberg), Juliane Klein (Berlin), Jeff Kowalkowski (Chicago), Michael Meyerhof (Hamburg), Michael Rook (Seattle/Düsseldorf), Daniel Norbert Seel (Mandelbachtal), Kunsu Shim (Seoul), Gerhard Stäbler (Duisburg), Martin Schüttler (Karlsruhe). Desweiteren im Programm von Interzone perceptible sind Werke von Henry Purcell, Erik Satie, Sven Hermann und Interzone perceptible.